Mittwoch, 15. Oktober 2014

Sauberere Luft und harte Fakten

Wieder gibt mir die  Berliner Woche  mal mit einem Artikel den entscheidenden Hinweis für einen Beitrag hier im Blog. In der Ausgabe 42 wird über eine Bilanz, welche Bezirksbürgermeister Geisel nach der Hälfte seiner Amtszeit zieht, berichtet. Nun, ich möchte nicht alles kommentieren oder gar in Zweifel ziehen. Aus dem Rathaus sieht man bestimmt weiter und auch deutlicher, als ich von der Straßenperspektive meines Kiezes. 

Doch gleich der fett gedruckte Einstieg in den Artikel fordert mich dazu auf etwas zu schreiben. Heißt es nämlich in diesem "... selbst die Luft wird durch 300 neu gepflanzte Straßenbäume sauberer. Mit harten Fakten unterstreicht Bürgermeister Andreas Geisel (SPD) den positiven Trend."

Ich weiß nicht, ob 300 neu gepflanzte Bäume auf den 5229 ha Fläche unseres schönen und tatsächlich ziemlich grünen Stadtbezirkes die Luft wirklich verbessern. Bei frisch gepflanzten, mit ihren wenigen Blättern, ist das sicherlich nicht messbar. Ich halte die Bemerkung für eine Politiker typische populistische Behauptung. 
Der größere Ahorn wurde gekappt. Im Hintergrund

sehen wir die Baufahrzeuge.
Diese 300 Bäume stellen eigentlich nicht einmal einen Zuwachs an Bäumen im Bezirk dar. Warum? Weil im gleichen Zeitraum nicht nur Bäume gepflanzt, sondern ebenfalls viele Bäume gefällt wurden. Bezeichnenderweise fielen am 14.10., dem Tag an welchem ich die  Berliner Woche  in meinem Briefkasten fand, im Bereich des BGFAS zwei Bäume der Säge zum Opfer. Den Grund dafür erahne ich. Zur Zeit finden Wartungsarbeiten an einem Versorgungsschacht statt, welcher parallel zur Straße verläuft. Offenbar stören diese beiden Bäume den ungehinderten Zugang mit schwerer Bautechnik - der große Bagger würde durch die Krone der Bäume behindert. So hat man den kleineren Ahorn gefällt, den größeren gekappt (und am nächsten Tag dann auch vollständig beseitigt). Es ist verständlich, dass auch erforderliche Wartungsarbeiten durchgeführt werden müssen. Mir scheint aber, hier wird es sich oft zu leicht gemacht und nicht nach Lösungen gesucht, welche Bäume erhalten.*
Den kleinen Baum hat man gleich ganz gefällt. 
Die Blätter der beiden waren das Äquivalent von bestimmt Dutzenden neu gepflanzter Bäumen und werden jetzt nicht mehr für saubere Luft sorgen können. Damit sind seit Mitte 2012 allein in meinem 43 ha messenden BGFAS mindestens 64 Bäume gefällt worden. Auf dem 120tem Teil des Bezirkes. Ich will das jetzt nicht hochrechnen! Im gleichen Zeitraum konnte ich 15 Neuanpflanzungen feststellen. Alle als Ersatzpflanzungen für beseitigte größere Bäume. Beseitigt vor allem, um bauen zu können! Wenn ich die vor einer Kita gepflanzten kleinen Bäume mit zähle, komme ich auf 17. Es wurde also vier Mal häufiger ein Baum beseitigt als neu gepflanzt. Möglicherweise liest jemand aus dem zuständigen Lichtenberger Amt diesen Blog-Beitrag und teilt die tatsächlichen Zahlen für ganz Lichtenberg mit.
Übrigens: die lange Wiese vor dem dortigen Wohnblock, ist der größte Fällbezirk im BGFAS und inzwischen nahezu Baumfrei geworden. Mehr als 20 größere und kleinere Bäume wurden dort in den vergangenen 24 Monaten beseitigt. Gerade dort, an der lauten und Feinstaub belasteten Frankfurter Allee sind Bäume aber besonders wichtig. 


*Nachtrag: Für die beiden gefällten Bäume wurden an der langen Wiese 5 neue Bäumchen gepflanzt. Finde ich gut. Und es entspricht den Bestimmungen.

1 Kommentar:

  1. ... um das zu ergänzen. Das kappen war nur ein Übergang. Inzwischen ist er völlig weg. Ein schöner und gesunder Baum.

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