Donnerstag, 13. Juni 2013

Biodiversität und andere Modewörter ...

(fast) ein jeder, sich mit Natur und Umwelt befasste Mensch, führt heutzutage den Begriff Biodiversität im Munde. Wenn ich mir da so manches anhöre und lese, werde ich allerdings den Eindruck nicht los, dass hier sehr viel Unterschiedliches gemeint ist. Ebenso wie beim Wort der Nachhaltigkeit - welches positiv besetzt suggeriert, hier würde etwas Gutes für die Natur getan und bewirkt. Wo es doch eigentlich primär um die Erhaltung der Ausbeutungsfähigkeit der Natur und seiner Ressourcen geht. Das dadurch, der Natur ähnliche Bedingungen entstehen, welche für manch Leben nützlich sind, ist eher ein Nebeneffekt. Damit will ich dem "Erfinder" der Nachhaltigkeit, Hans Carl von Carlowitz kein Unrecht tun. Denn zu seiner Zeit, als Kahlschlag üblich war, stellte die Organisation der beständigen Nutzung von Holzreserven des Waldes, einen nachgerade revolutionären Fortschritt dar. Wohl nur deshalb, haben wir noch so große, mit Bäumen bestandene Flächen in Deutschland. Wie es ohne diese Nachhaltigkeit aussehen könnte, ist in manch beliebtem Urlaubsland zu besichtigen!
Biodiversität oder - um es in deutscher Zunge zu sagen, "biologische Vielfalt", meint den Schutz und die Erhaltung der biologischen Vielfalt von verschiedenen Ökosystemen, verschiedenen Arten und auch die genetische Vielfalt von Arten. Dafür gibt es gar ein UNO-Vertragswerk. 
Ich sehe das vor allem lokal. Biologische Vielfalt bedeutet für mich den Erhalt und täglichen Schutz unserer heimischen Natur, deren Arten und der Individuellen Vielfalt innerhalb der Arten.



das Markierte zeigt kein besonderes Kraut, sondern den Kampf eines ehemaligen Strauches


In meinem Arboretum kann ich selbstverständlich kein natürliches Ökosystem erhalten. Einfach darum, weil es keines ist. Schon das größere natürliche Ökosystem Wald gibt es in Deutschland eigentlich gar nicht mehr. Wir verfügen zumeist nur über große, mit Bäumen bestandene Flächen, welche in etwa so, wie Wald aussehen und funktionieren. 
Mit der Grünheit eines Großstadt-Wohngebietes haben wir nur eine grobe Kaschierung der durch Städte vollständig zerstörten Natur und Ökosysteme. Wir bilden uns ein, durch einen Park oder einige vor dem Haus stehende Bäume, Natur um uns zu haben. Unsere städtischen Lebensräume sind doch nichts weiter, als ein Denkmal großflächig platt gemachter Natur, getarnt durch Ausdrucksformen der Natur! So etwas ist jedoch allemal besser, als Nurstadt ohne Grün. Auch dieses ist zu schützen, zu bewah-ren. Denn der Park und der Straßen-baum sind wichtig für unser Wohlbefinden und die Umwelt. 



Hier rudere ich etwas zurück in meiner Pauschalisierung und präsesiere: kleine Ökösysteme existieren natürlich selbst in der Stadtnatur. Auch wenn diese nicht natürlich entstanden.
Ich persönlich bin froh, dass es bei mir in der Gegend, trotz Stadt sehr viel Grün existiert, auch wenn ich deren Überpflegung manchmal kritisiere.

Ein botanischer Garten ist so etwas, wie ein Zoo der Pflanzen. Also eine Sammlung und zu Schau Stellung von Lebewesen, welche nicht unbedingt heimisch sein müssen (Ich weiß: Zoologische und Botanische Gärten sind zugleich auch Forschungsstätten und Orte der Artenerhaltung). 
Mein botanischer Garten zeigt etwa ein anderthalbes Hundert verschiedenster Gehölze aus fast aller Welt. Der größte Teil der Fläche ist jedoch von heimischen Gehölzen besetzt. Bei den Bäumen sind das Ahorn, Pappel, Linde und Weißdorn. Hier tummeln sich Lebewesen in der Erde, über der Erde und in der Luft.

In einem gesunden Boden leben je Kubikdezimeter etwa 500 Lebewesen. In dieser Zahl sind nur jene aufgeführt, welche mit bloßem Auge oder einer Lupe sichtbar sind. Also Regenwürmer, Asseln, Spinnen, Springschwänze, Milben und Co. Fadenwürmer und Mikroorganismen sind in dieser Zahl nicht enthalten. Diese messen nämlich Milliarden!
Für die Erde im FAS befürchte ich - ohne es durch Daten belegen zu können, dass deren biologische Vielfalt deutlich zu niedrig ist. Dafür sind die allgemeinen Bedingungen einfach zu schlecht. Der Boden ist hochverdichtet und künstlich versiegelt. Normale Bedingungen für die dortigen Lebewesen nicht im entferntesten gegeben. Für die Existenz vieler Lebewesen erforderliche organische Substanzen werden von uns Menschen beseitigt, indem wir jedes Jahr das Laub wegräumen.
Wenn der Boden nicht richtig lebt und funktioniert, ist das nicht nur ein Handicap für die Bodenlebewesen, sondern auch für die im Boden wurzelnden Gehölze. Die Sträucher und Bäume leben in Symbiose mit verschiedenen anderen Lebewesen, z.B. Pilzen, welche den Wurzeln helfen Nährstoffe aufzunehmen. 
Zum Lebensraum Luft nur soviel: wenn wir Brutplätze für Vögel zerstören, indem wir Sträucher bis zum Grund abschneiden, Bäume fällen oder Äste entfernen, ist es nachvollziehbar, dass dieses nicht gut für die heimische Vogelwelt ist. Übrigens: das man "störende" oder "gefährdende" Bäume und Äste amtlicherseits beseitigen lässt ist zu sehen. Mir ist bislang aber noch nicht aufgefallen, das Kraftfahrer aufgefordert wurden, ihre KFZ nicht auf Baumscheiben abzustellen. Obwohl solches Parken nicht erlaubt ist. Aber hier geht es ja nur um Bäume.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen