Donnerstag, 22. November 2012

Berlin Friedenau - Crataegus vernichtet


Über meinen Arbeitsweg wollte ich schon lange mal einen Beitrag schreiben. Der Anlass sollte allerdings angenehmerer Art sein als jetzt. Auf diesem Weg komme ich in Friedenau an vielen ganz tollen Bäumen vorbei. Besonders die Weißdorn-Bäume haben es mir angetan. Ein kleiner, jedoch sehr nützlicher Baum. Gibt er doch Obdach für viele Insekten, Singvögel und Kleinsäuger. Friedenau ist so etwas, wie der Ort des Weißdorns*. So stehen z.B. in der Holsteinischen Straße sehr schöne und alte Exemplare, mit einem Brusthöhenumfang von mehr als einem Meter. Für einen Crataegus, so der lateinische Name des Baumes, ist das erstaunlich viel. Den stärksten habe ich mit mehr als 1 1/2 Meter vermessen. Genau an der Einfahrt zu den Garagen an der Dickhardtstraße Nr. 31.  Leider ist gerade dieser Baum nur noch auf Google Street-View zu sehen. Er wurde dieser Tage Opfer einer Baustelle. Dort baut eine Firma, an Stelle der nun abgerissenen Garagen, Eigentumswohnungen. Dabei hat man den Baum einfach ausgerissen. 

Da würde mich schon einmal interessieren, ob und warum der Fällung dieses Baumes zugestimmt wurde. Es ist anzunehmen, dass dieser Baum gepflanzt wurde als man 1871 mit dem Anlegen des Ortes Friedenau begann - vielleicht aber stand er damals bereits und wurde stehen gelassen. Der Baum wäre also nicht nur schutzwürdig als Baum, sondern auch als Zeitzeuge der Ortsgründung gewesen! Lt. Internetrecherche habe ich jedenfalls festgestellt, dass die Gebäude Nr. 30 - 33 in den Jahren zwischen 1870 und 1899 entstanden.  Ein wenig traurig stimmt mich auch, dass der Vorgang in der Öffentlichkeit völlig unbeachtet blieb. Man stelle sich vor, die nur 100 m vom Ereignisort befindliche, etwa gleichaltrige Kaisereiche würde über Nacht gefällt!

Mit einer Initiative will der Berliner Senat etwas für Stadtbäume tun. Insgesamt 10.000 neue Straßenbäume sollen gepflanzt werden. Die Bürger wurden aufgerufen zu spenden. Bei 500 Euro Spende erhält dann der Baum auch den Namen des Spenders. Nun - einen Baum mit meinem Namen wird es nicht geben, 500 Euro sind ganz schön happig. Etwas dazu zu geben, habe ich mir jedoch vorgenommen. Mir gefällt das viele Grün in Berlin.

Die Entfernung des Crataegus erachte ich als Frevel und in Widerspruch zur verkündeten Initiative stehend.

Spenden werde ich dennoch, wenn auch mit Bauchschmerzen. Stelle ich mir doch vor, wie in vielleicht 100 oder 150 Jahren, der von mir mitfinanzierte Baum beseitigt wird. Für etwas, wovon ich mir heutzutage vermutlich nicht einmal vorstellen kann, das es so etwas gibt.

* Es gibt in Friedenau sogar eine Straße für diesee Baumart. Die Rotdornstraße verbindet die Wiesbadener mit der Stubenrauchstraße. Rotdorn ist ein Name für den rotblühenden Crataegus.



Links: einer der kleineren Brüder des Opfers. Holsteinische Straße. Etwa 1 m Umfang, 100 Jahre alt und mit ca 8 m ähnlich hoch wie der zerstörte Baum. Unter Crataegus gilt man damit als Riese.


Kommentare:

  1. Eben genau an dieser Stelle (Dickhardtstraße 31) wird heute ein weiterer, sehr großer Baum gefällt weil er im Weg ist für die Tiefgarageneinfahrt des neuen Hauses. Muss der Bauherr hier neue Bäume pflanzen????

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    1. Aber gewiß. Nach Berliner Baumschutzverordnung sogar mehrere. Das können bis zu 8 Bäume sein! Wie viele, hängt vom Umfang und von der Art des Baumes ab. Ein Ahorn mit mehr als 160 bis 200 cm Stammumfang "kostet" z.B. 3 Ersatzbäume. Das Bezirksamt freut sich sicher über eine Nachfrage, wann und wo die Ersatzbäume gepflanzt werden ;-) Und ich freue mich wenn ich erfahre, was das Amt geantwortet hat.

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    2. Ich hatte mich geirrt: Der Baum (Linde) steht "noch". Es ist ein Baum daneben nur drastisch beschnitten worden da er für Kran-Arbeiten im Weg war.
      Da die Linde aber immer noch der Tiefgarageneinfahrt im Weg ist sind die Tage gezählt... denke ich. Wo genau beim Bezirksamt frage ich nach?

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    3. also ich würde mich an das Umwelt- und Naturschutzamt wenden. Sollte ein anderes Amt (z. B. Tiefbau- und Landschaftsplanungsamt) zuständig sein, wird das dann schon an dieses weiter geleitet.

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  2. Der Baum ist weg.
    Das Bezirksamt hat auf meine Frage nach Ersatzpflanzungen geantwortet:

    ....der Bauherr des Neubaues hat den Wertersatz des Baumes eingezahlt.
    Diese Einnahmen werden von uns ausschließlich für neue Baumpflanzungen im Bezirk verwendet. Da wir mehrere Hundert leere Baumstandorte haben, werden die aktuellen Pflanzorte zusammenhängend gewählt um von den
    beauftragten Firmen günstige Preise zu erhalten.
    Mir ist bekannt, dass in der Dickhardtstraße auch einige leere Standorte bestehen. Ich denke, dass mein Mitarbeiter Herr Kl........ versuchen wird die Dickhardtstraße in der Frühjahrs-Pflanzaktion zu berücksichtigen.

    Bin gespannt ob ich jemals hier einen neuen Baum zu sehen bekomme.

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