Sonntag, 8. März 2015

sprachlos im BGFAS ...



In Bezug auf die Baumpflege, bin ich ja einiges gewöhnt. Die aktuellen Maßnahmen haben mich aber doch einigermaßen sprachlos gemacht. Ende Februar wurden an vermieteten Parkflächen in der Schulze-Boysen-Straße und der Albert-Hößler-Straße insgesamt 20 Bäume gefällt. Somit sind in den letzten reichlich 3 Jahren ca. 90 Bäume im FAS vernichtet worden. 

Meine e-mai an den zuständigen Bezirksstadtrat um den Grund der aktuellen Fällung so vieler offensichtlich gesunder und von der Baumschutzverordnung als schützenswert eingeordneter Laubbäume zu erfahren, blieb bislang leider ohne Antwort*.  Ich kann keine Nutzen oder Sinn erkennen. Um nicht zu sagen: ich erachte so etwas als falsch. Denn es ist nicht nachvollziehbar, auf der einen Seite um Mittel für die Neuanpflanzung von Straßenbäumen zu kämpfen und bei den Bürgern zu werben und andererseits immer wieder Bäume zu fällen.

Das Problem habe offensichtlich nicht nur ich. Auf der Internetseite des Mieterbeirates unseres Wohngebietes fand ich zur Fällung dazu folgende Erklärung der zuständigen Wohnungsbaugesellschaft:


Nach ausführlich begründeter Beantragung der Fällgenehmigung durch die HOWOGE liegt eine entsprechende Genehmigung seitens des Grünflächenamtes Berlin Lichtenberg, Alt-Friedrichsfelde 60, vor. Die aktuellen Maßnahmen sind erforderlich im Interesse unserer Mieter und dienen der Vorbereitung von Instandsetzungsmaßnahmen an Parkplätzen bzw. Parkflächen, die durch Baum- und Wurzelwucherungen stark geschädigt wurden. Durch Wurzeln angehobene Bodenflächen führten bislang beispielsweise zu Stolpergefahren und im Winter zu Glättebildung. Hinzu kommt, dass die Bäume innen leider - wie am Baumschnitt zu erkennen war - geschädigt sind, somit auch keine Standfestigkeit garantiert werden kann. 


Ich empfinde die Antwort der HOWOGE zu den Baumfällungen als absolut unbefriedigend. Ebenso jedoch auch die aus meiner Sicht leichtfertige Erteilung der Genehmigung für diese Massenfällung. Wohlgemerkt, in einem Wohngebiet kann es immer gute Gründe geben, einen oder mehrere Bäume zu fällen. Vor allem wenn Menschen durch nicht mehr standfeste Bäume gefährdet sein können, müssen Bäume weichen. Auch dann, wenn Bäume die Bausubstanz von Gebäuden zerstören. Aber doch nicht, weil nach Jahrzehnte alte Betonflächen von Parkflächen um einige cm angehoben wurden!

Verbal liegen die Stadt und seine Natur Allen am Herzen. In der Praxis scheinen das aber offensichtlich Seitens der Verantwortlichen nichts als leere Worte zu sein. Denn mit dem Baumschutz nimmt man es nicht so  wirklich ernst. Zu schnell werden Genehmigungen für Baumfällungen erteilt und muss der Baumschutz zurücktreten.

Nach der Logik der HOWOGE-Begründung müssten auch sämtliche Bäume in Parks an Gehsteigen und auf Spielplätzen gefällt werden. Denn auch hier werden Menschen unmittelbar gefährdet. Im 21.Jahrhundert sollten wir doch in der Lage sein, Parkplätze instand zu halten und dabei das Wurzelsystem von Bäumen zu berücksichtigen. Bausubstanz im Wohngebiet, war durch keinen der sehr weit von Häusern entfernt gewachsenen Bäume gefährdet. Das es im Winter zu Glättebildung wegen Eis oder festgefahrenen Schnee kommt ist in unseren Breiten relativ normal und liegt nicht an den Wurzeln von Bäumen. Daher wird im allgemeinen ein Winterdienst organisiert oder durch Hinweisschilder auf eigenes Risiko verwiesen. 

Und wenn durch Wurzeln Teile einer Bodenversiegelung angehoben werden, lässt sich das fachgerecht beseitigen, auch ohne Bäume fällen zu müssen.

Was ich in der Erklärung völlig vermisse, ist ein Hinweis darauf wann, wo und welche Bäume zur vorgeschriebenen Nachpflanzung vorgesehen sind. 
Es mag an meiner geringen Qualifizierung in Bezug auf die Baumgesundheit liegen. Ich kann jedoch am Baumschnitt jedenfalls keine, die Standfestigkeit gefährdenden Schädigungen erkennen. Die Schädigung war die Fällung! In einer Großstadt wie Berlin, werden wir kaum vollständig gesunde Bäume vorfinden. Außerdem sind viele Schädigungen ursächlich durch dem Baumschutz und auch der Baumschutzverordnung widersprechenden baumpflegerischen Arbeiten hervorgerufen. Bei vielen Bäumen werden nämlich regelmäßig Äste beseitigt, welche einen größeren Umfang als die festgelegten 15 cm aufweisen. 
Ebensowenig ist für mich erkennbar, inwiefern die Fällungen erforderlich im Interesse der Mieter war. Ich fühle mich durch solche Maßnahmen nicht vertreten sondern brüskiert. Allenfalls entspricht dieser Kahlschlag möglicherweise den Interessen einiger Parkflächenmieter. Aber auch diesen würde ich das nicht unterstellen wollen. Liegt doch auch in deren Interesse, ein intaktes und grünes Wohnumfeld zu haben. Was im übrigen dem Leitbild der HOWOGE entsprechen sollte. Wie schreibt die Gesellschaft auf ihrer Internetpräsenz: Jedes Unternehmen trägt soziale Verantwortung. Für Wohnungsunternehmen gilt dies in besonderem Maße. Denn Wohnungen sind nicht nur Wirtschaftsgüter, sondern vielmehr Raum für Menschen und Interaktionen im Sinne von Nachbarschaften. Gemeinsam mit dem jeweiligen Umfeld ist Wohnung Rückzugsort, Heimat und Zuhause. 
Genauso ist es.  







Als Nachtrag noch das Bild einer von Baumwurzeln geschädigter Parkfläche. 
Hier die mit Steinen ausgelegte. Die andere Fläche stammt noch aus den Gründerzeiten des Wohngebietes und besteht aus gegossenen Betonplatten.

*P.S.: Hr. Nünthel hat mir inzwischen geantwortet. Die Begründungen für die Fällgenehmigungen sind hier zu sehen.










Kommentare:

  1. Nicht zu fassen, es ist einfach nur grauenvoll. Was bilden sich manche Menschen und Behörden eigentlich ein? Und glaub jetzt nur nicht, dass es auf dem Land besser wäre. Auch hier wird gefällt und überhaupt nicht fachgerecht beschnitten, was das Zeug hält, aus nicht nachvollziehbaren Erwägungen zu Ordnung, Sauberkeit und Sicherheit. Begründung: wir haben doch rundherum genug Natur. Systematisch drängen wir Lebendiges aus unseren Siedlungsbereichen heraus, pflastern den Boden, pflanzen Koniferen und kratzen dürren Rasen vom letzten Gänseblümchen frei. Die lebensnotwendige Beziehung Mensch-Natur ist bei vielen überhaupt nicht mehr präsent, geschweige denn, dass sie erlebt würde. Stattdessen unsinniges Zeug kaufen, kaufen, kaufen und natürlich das Auto. Dem soll es gut gehen. Egal wieviele Bäume und gute Luft das kostet... Viele Grüße, grimmig und traurig - Ghislana (PS: Wenn du magst, kannst du den Post gern bei mir verlinken in der Reihe Mein Freund der Baum: http://jahreszeitenbriefe.blogspot.de/2015/02/mein-freund-der-baum-21-freiberger-baume.html)

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  2. Danke Ghislana. Warum sollte da bei Euch auch wirklich besser sein. Es ist überall das Gleiche. Ich habe da schon Vorstellungen, warum das so ist. Aber alles sollte man ja nicht wirklich aussprechen. Eine der Ursachen liegt sicher im Geldmangel. Das führt zu manch unqualifizierter und zu seltener Ausführung erforderliche Pflegearbeiten. Welchen dann heftiger ausfallen als gut für die Natur. Mal schauen ob ich das bei Dir verlinkt bekomme, ohne etwas zu zerstören.

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